Boden, Lage und Klima  
  Seit Jahrtausenden wird die Rebe kultiviert. Viele Rebsorten haben sich herausgebildet oder sind bewußt gezüchtet worden, aber ihr jährlich sich wiederholender Vegetationszyklus, ihre Ansprüche an Boden, Klima und Pfege sind unveränderlich, und die Arbeit des Winzers hat sich danach zu richten.  
 

Die Rebe ist eine genügsame Kletterpflanze, die ihre Vorzüge besonders dort zur Geltung bringt, wo sie zu kämpfen gezwungen ist. Es liegt in der Natur, nach der Ausbildung eines kräftigen Stammes und entsprechenden Wurzelwerks möglichst viele belaubte Triebe zu bilden und große Flächen zu begrünen oder Höhen zu erklimmen.

Will man ihre Kraft statt dessen in die Früchte lenken, so muß man optimale Bedingungen dafür schaffen und sie mit einer Reihe von Maßnahmen überlisten.

 
  Landschaft um den Murkathof. Das Klima entlang des Rheins bietet ideale Bedingungen.  

 

Das Klima ist für den Wein von ausschlaggebender Bedeutung. So sehr er Wärme und gleichmäßige Temperaturen liebt, so wenig dankt es der Wein, wenn man sie ihm gibt. Wo es das ganze Jahr über warm und sonnig ist, wird der Wein zwar voll und alkoholreich, läßt aber sortentypische Feinheiten, Säure und Klasse vermissen. Die Weine wirken plump. Anders an den nördlichen Rändern der Weinbauzonen, wo es in den Nächten kalt ist und am Tag um jeden Sonnenstrahl gekämpft werden muß. Hier ist die Vegetationszeit weit auseinandergezogen.

Reicht in guten Jahren die Sonnenscheindauer aus, so können die Trauben bis zur Ernte eine Fülle von Geschmacksstoffen aufnehmen, reife Säuren und

 

genügend Zucker ausbilden und schließlich sortentypische Weine von höchster Vollendung hervorbringen.
Die Lage eines Weinbergs spielt immer dann eine große Rolle, wenn die klimatischen Bedingungen ihre eben noch akzeptablen Grenzwerte erreichen. In heißen Gegenden legt man die Weinpflanzungen so an, daß sie vor der Mittagssonne geschützt - in größeren Höhen oder in feucht-kühlen Gebieten liegen.

Im kälteren Norden nutzt man Südlagen und Steilhänge, um jeden Sonnenstrahl einzufangen, und sucht in Flußtälern und Seeufern den Temperaturausgleich der Wasserflächen für die Weinberge nutzbar zu machen.

 

  Die Arbeiten während des Jahres [top]  
  Der Rebschnitt ist die erste Arbeit zu Beginn des Jahres. Der Winzer entfernt das Fruchtholz des vergangenen Jahres und läßt, wenn ihm die Qualität gelegen ist, nur ein bis zwei Ruten mit insgesamt nicht mehr als sechs bis acht Augen am Stock. So sorgt er bereits jetzt dafür, daß die Rebe die Nährstoffe, die sie aus dem Boden holt, und den Zucker, den die Blätter beisteuern, in wenigen Trauben konzentriert. Auch später im Jahr muß die Rebe noch beschnitten, müssen die obersten Triebe entspitzt, die Zweige gekürzt und das Laub ausgedünnt werden.  
  Die groben Bodenarbeiten sollten weitgehend abgeschlossen sein, wenn im Mai der Austrieb der Reben beginnt. Austrieb und Blüte verfolgt der Winzer mit größter Aufmerksamkeit. Nachtfröste im Mai und Regen während der Anfang Juni beginnenden Blüte können katastrophale Folgen haben. Die Bekämpfung der Schädlinge hat jetzt einzusetzen, wobei der umweltbewußte Winzer seine Maßnahmen den jeweiligen Erfordernissen anpaßt und jedes Zuviel vermeidet. Ende August müssen alle Spritzungen eingestellt werden, da sie die Gärung des Traubenmostes beeinträchtigen würden. Die Weinlese beginnt in der Regel 100 Tage nach der Blüte. Der genaue Zeitpunkt ist aber sorten- und lagespezifisch.  
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  Das Weinlexikon «Weinanbau»  
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